
Ein Empfang nicht zum neuen Jahr, sondern zum Johannistag: Zum ersten Mal hat am Donnerstag, 24. Juni, die Evangelische Kirche in Mannheim zum Johannisempfang in ihr Haus in M 1 eingeladen.
„Die Geburt Johannes, des Täufers war schon ab dem 5. Jahrhundert ein Fixpunkt im kirchlichen Festkalender“, hob Dekan Günter Eitenmüller in seiner Begrüßung hervor. Selbst Martin Luther, der im Zuge der Reformation viele kirchliche Feiertage abgeschafft habe, hätte den Johannistag als evangelischen Gedenktag belassen, da er biblisch belegt sei. Seine Ansprache stellte der Dekan unter das Bibelwort „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7). So wolle die evangelische Kirche in einer kritischen Begleitung, aber nicht in einer opportunistischen Haltung das Beste für Mannheim suchen. Besonders lobte Eitenmüller das Miteinander der Religionen in Mannheim, dass durch die „Meile der Religionen“ im vergangenen Jahr noch gestärkt worden sei. Um der Stadt Bestes zu suchen sei es wichtig, dass auch in der Ökumene mit einer Stimme gesprochen werde. Begeistert zeigte sich der Dekan vom Ökumenischen Kirchentag, der im Mai in München stattgefunden hatte. Dann wandte er sich an Stadtdekan Karl Jung und Dekanatsratsvorsitzende Gabriele Blank und versprach im Hinblick auf den Katholikentag 2012: „Wir werden Sie nach Kräften unterstützen. Auch beim Katholikentag sollte soviel Ökumene wie möglich sein“. Dass der Johannisempfang ein „Auswuchs“ der im Oktober 2008 verabschiedeten Ökumenischen Rahmenvereinbarung und „gelebte Ökumene“ sei, befand Karl Jung in seinem Grußwort. Damit es keine „Konkurrenz“ zum Neujahrempfang des katholischen Stadtdekanates werde, hätten sich die evangelischen Geschwister entschlossen, ihren Empfang in den Sommer zu verlegen. Als symbolisches Geschenk überreichte er eine Flasche Messwein für die evangelische Abendmahlsfeier. „Wenn wir schon mal einen gemeinsamen Messwein haben, ist das ein weiterer wichtiger Schritt in der Ökumene“, so der Dekan. An den offiziellen Teil des Empfangs, der musikalisch von dem Chor „PopVoices“ der Jugendkirche Mannheim unter der Leitung von Eckhard Stadler umrahmt wurde, schloss sich ein gemütliches Beisammensein im Foyer und Innenhof an.
Der so genannte „Johannistag“ ist der Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers und wird am 24. Juni gefeiert. Allein schon mit diesem Datum weisen die Kirchen darauf hin, dass er der Wegbereiter Christi ist – denn der Geburtstag des Täufers wird genau sechs Monate vor dem Heiligen Abend begangen. Ein reiches Brauchtum hat sich um diesen Festtag, der auch das antike Datum der Sommersonnenwende darstellt, entwickelt. So ist der Johannistag als „Lostag“ für Landwirtschaft und Wetter von zentraler Bedeutung. Zudem weiß man insbesondere in den deutschen Spargelanbaugebieten, dass nach dem 24. Juni kein frischer Spargel mehr auf den Tisch kommt, da die Spargelpflanze um die Sonnenwende zur Ruhe kommen muss, um im kommenden Jahr wieder kraftvoll auszutreiben. Nicht zuletzt seien die viele Johannisfeste zu nennen, die am 24. Juni landauf, landab gefeiert werden.
( Autor: BETTINA HENKELMANN )