Menschen, die in der Werbesprache mit einem "Plus" versehen werden (z. B. 50plus, 60plus, 70plus ...), spielen nach Überzeugung von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (71) eine wichtige Rolle in Kirche, Politik und Gesellschaft: "Es ist ein Plus, weil wir viel...
...weitergeben können", schreibt der Erzbischof in einem "Brief an die Älteren", der am Fest des heiligen Martin (11. November 2009) in Freiburg veröffentlicht wurde. Bei diesem Plus gehe es nicht nur um eine Werbe- oder Altersgruppe - es habe eine tiefere Bedeutung: "Es ist ein Mehr an Lebenserfahrung, ein Plus an Erinnerungen." Der Brief trägt den Titel "Unser Alter - ein Plus an Erfahrung und an Zuversicht." Erzbischof Zollitsch fordert darin alle "Menschen mit einem Plus" dazu auf, dieses Plus in die Gemeinschaft einzubringen.
In seinem Schreiben verweist der 71jährige Erzbischof auch auf seine eigene Situation: "In einem Alter, in dem viele - und auch ich - an den Ruhestand zu denken beginnen, hat man mir eine neue Aufgabe angetragen: Ich bin zum Erzbischof von Freiburg gewählt worden, und fünf Jahre später zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Ich habe mich um keines dieser Ämter beworben. Doch ich habe mich dieser Herausforderung gestellt und die Aufgabe, die mir übertragen wurde, zu meiner Lieblingsaufgabe gemacht. Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie Ihre persönliche Herausforderung des Alters entdecken und zu ihrer Lieblingsbeschäftigung machen können - im Bewusstsein: Gott geht mit mir."
Altsein heißt nach den Worten von Erzbischof Robert Zollitsch heute nicht nur "auf sein Leben zurückblicken können, sondern auch mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft zu gehen und jeden Tag und jede Begegnung als kostbare Geschenke anzunehmen und zu gestalten". Der christliche Glaube mache Mut, die Herausforderungen und Möglichkeiten des Alters zu bejahen und "das Leben auch im hohen Alter als sinnvoll zu begreifen - auch ohne Leistung erbringen zu müssen." Wer alt ist, dürfe sich beschenken lassen. Der Erzbischof von Freiburg schreibt: "Wir müssen nicht sofort aufspringen und uns aktiv einbringen. Wir haben in unserem Leben viel geleistet. Wir dürfen jetzt auch einmal in Ruhe und Gelassenheit sitzenbleiben." Viele seien auf Unterstützung, Betreuung und Pflege angewiesen. Zollitsch zitiert Dom Helder Camara, den ehemaligen Bischof von Recife (Brasilien): "Mit gefalteten Händen kann man weit mehr bewirken als mit tätigen Händen."
"Das soziale Netz können wir nur gemeinsam tragfähig halten"
In seinem Brief an Menschen, die bereits viel erlebt und geleistet haben, versichert der Erzbischof: "Kinder Gottes bleiben wir ewig." So sei das Alter auch für die Kirche ein Plus, "weil wir viel für die Gemeinschaft des Glaubens tun können". In seinem Brief fordert der Erzbischof die Älteren auf: "Ziehen Sie sich nicht zurück, sondern machen Sie sich und andere darauf aufmerksam, wenn Sie sich übersehen, übergangen oder gar abgeschoben fühlen. Das darf nicht sein. Das soziale Netz unserer Gemeinden und Seelsorgeeinheiten können wir nur gemeinsam lebendig und tragfähig halten." Zollitsch dankt deshalb allen, "die sich dafür einsetzen, dass ältere Menschen spüren: Wir gehören zum Netzwerk der Gemeinde dazu."
Wer heute zur älteren Generation gehört, hat nach den Worten von Erzbischof Zollitsch "viele Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts durchschritten und dabei unglaublich viele Veränderungen und Umbrüche in Politik, Gesellschaft und auch in der Kirche miterlebt". Wer älter sei, wisse also, "was es heißt, loszulassen oder gar loslassen zu müssen, aufzubrechen mit vielen Unsicherheiten und Fragen." Trotz zum Teil schmerzlicher Erfahrungen und Erinnerungen gehöre zum Blick zurück auch der Dank. "Dankbarkeit ist Denkarbeit. Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens, in dem alle guten Dinge aufgehoben sind. Sie ist die Tugend des Alters, Weisheit und Reife aufgrund vielfältiger Erfahrung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dankbar, und nicht bitter, auf Ihr Leben schauen dürfen und Ihr Leben als Geschenk erkennen und annehmen können", heißt es in dem Schreiben von Zollitsch.
"Das Älterwerden ist ein Weg bergauf", formuliert der Erzbischof von Freiburg, der gerne in den Bergen wandert. Er schreibt: "Wir sind miteinander unterwegs, es geht bergauf, das Gipfelkreuz ist schon in Sicht! Mit diesem Bild erbitte ich für Sie Gottes Segen." Der Hirtenbrief schließt mit einem Segensgebet. Gedruckte Exemplare des Schreibens können bestellt werden beim Erzbischöflichen Seelsorgeamt, Referat Technik / Vertrieb, Postfach 449 in 79004 Freiburg (E-Mail: vertrieb@seelsorgeamt-freiburg.de. Im Internet ist der Brief von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch an die Älteren nachzulesen unter www.erzbistum-freiburg.de. Dort kann der Brief auch als Datei heruntergeladen werden - ein Angebot der Erzdiözese auch mit Blick auf die so genannten "Silver-Surfer": Menschen mit einem Plus, die das Internet als Informationsquelle nutzen.
( Autor: ERZBISCHÖFLICHES ORDINARIAT FREIBURG )