Fronleichnam mit Prozession in der Jesuitenkirche Mannheim

25.06.2026 | Vielfalt in Feier und Klang: Farbenfrohe Trachten, mehrsprachige Gebete und interkulturelle musikalische Darbietungen begeistern Gläubige

Farbenprächtige Trachten, Gebete in vielen Sprachen und eine bis auf den letzten Platz gefüllte Jesuitenkirche: Mit einem eindrucksvollen Fest der Vielfalt haben die katholischen Gemeinden der Mannheimer Innenstadt und Neckarstadt gemeinsam mit den Gemeinden anderer Muttersprache Fronleichnam gefeiert. Mehrere Hundert Gläubige nahmen an der Eucharis­tiefeier in der Jesuitenkirche teil, die von Pfarrer Lukas Glocker und Pfarrer Theo Hipp geleitet wurde. 
 
Bereits der Auftakt bot den Gottesdienstbesuchern ein beeindruckendes Bild: In ihren traditionellen Trachten zogen die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Sprachgemeinden feierlich in das Gotteshaus ein.  „Jesus – das Brot des Lebens. Was ist für Euch Brot des Lebens?“ Mit dieser zentralen Frage wandte sich Pfarrer Glocker an die versammelten Gläubigen. Vorsteherinnen und Vorsteher der muttersprachlichen Gemeinden antworteten darauf mit persönlichen Gedanken in ihrer jeweiligen Sprache. So entstand ein Bild davon, wie unterschiedlich Menschen ihren Glauben leben und wie viel sie zugleich hierdurch verbindet.
 
Die anschließende feierliche Prozession führte auf den Mannheimer Marktplatz – angeführt von jungen Ministrantinnen und Ministranten, die mit dem Verstreuen von Blütenblättern den grauen Asphalt in einen farbenprächtigen Pfad verwandelten. Begleitet von festlichen Lautsprechergesängen und einer großen Schar von Gläubigen ging es durch die Straßen der Quadratestadt bis zur Kirche St. Sebastian, wo die Fürbitten der Gemeinden in den verschiedenen Muttersprachen vorgetragen wurden. Für einen besonderen Moment sorgte das Gebet für Mannheim, bei dem eine Fürbitte der muslimischen Gemeinde erstmalig auf Türkisch gesprochen wurde – ein Zeichen des respektvollen und friedlichen Miteinanders. Auch ein zwischenzeitlich kurz anhaltender Regenschauer vermochte die feierliche Atmosphäre nicht zu beeinträchtigen.
 
Nach der Prozession verwandelte sich der Marktplatz in einen Ort der kulturellen Unterhaltung und Gastfreundschaft. Gegen eine freiwillige Geldspende konnten Besucherinnen und Besucher Erfrischungen sowie kulinarische Spezialitäten der muttersprachlichen Gemeinden genießen: Die kroatische Gemeinde servierte ein traditionelles Hirtengulasch  („Čobanac“), die italienische Gemeinde verwöhnte mit einer klassischen Minestrone, während die polnische Gemeinde eine herzhafte Krupnik-Suppe („Krupnik z ryżem“) anbot. Die spanische Gemeinde rundete das Angebot mit „Ensaladilla rusa“, einem russischen Eiersalat auf Brot, ab.
 
Auch musikalisch präsentierte sich das Fest von seiner kulturell vielfältigen Seite: Den Auftakt bildeten Musikerinnen und Musiker aus Togo, die mit mitreißenden Rhythmen und ausdrucksstarken Gesängen eine spürbar ausgelassene Stimmung entfachten. Die Klänge luden gleichermaßen zum Zuhören wie zum Mittanzen ein. Für weitere Begeisterung sorgte anschließend die kroatische Gemeinschaft, die mit einem traditionellen Volkstanz eindrucksvoll heimatliches Brauchtum zum Besten gab. Auch Pfarrer Lukas Glocker gesellte sich spontan zu den Tänzerinnen und Tänzern und bewegte sich zum Rhythmus mit. Danach beeindruckten talentierte junge Musikerinnen und Musiker aus der kroatischen Gemeinde das Publikum mit bekannten Liedern aus ihrer Heimat und ernteten dafür großen Beifall.
 
Das Fronleichnamsfest erwies sich damit weit über seinen liturgischen Charakter hinaus als Zeichen gelebter Gemeinschaft und Vielfalt – mitten im Herzen der Stadt.
 
Text u. Fotos: Daniel Siegel