16.12.2025 |
Paulina Scheffzek wird ab 1. Januar 2026 neue Referentin mit Personalverantwortung der Pfarrei St. Sebastian Mannheim
Mit klarer Haltung, Leidenschaft für Gemeinschaft und ihrem Glauben möchte Paulina Scheffzek eine lebendige Kirche gestalten, in der sich alle Menschen willkommen fühlen. Im Gespräch verrät sie, wie Werte, Vertrauen und Transparenz ihre Arbeit prägen und welche Ziele sie für die Zukunft hat.
Paulina Scheffzek, geboren 1988 in Herrenberg und in der Nähe von Esslingen aufgewachsen, ist seit 2019 als Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Mannheim Nord tätig. Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt sie die Position als Referentin mit Personalverantwortung in der Pfarrei St. Sebastian Mannheim. In einem ausführlichen Gespräch gibt die studierte Theologin, Arbeits- und Organisationspsychologin (M. A.) sowie Supervisorin, Coachin und Organisationsberaterin (DGSv) Einblicke in ihre persönliche Entwicklung, ihre Motivation und ihre Ziele für ihre neue Aufgabe in der Katholischen Kirchengemeinde Mannheim, Pfarrei St. Sebastian.
Frau Scheffzek, wie würden Sie sich mit drei Wortenbeschreiben? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, weshalb ich mich auch bei meinen Freunden erkundigt habe, wie sie mich beschreiben würden. Sie haben mich als äußerst direkt, loyal und klar charakterisiert – und das trifft auch genau zu. Diese Eigenschaften spiegeln meine Zielstrebigkeit wider und meinen Wunsch nach Transparenz in allem, was ich tue.
Welche persönlichen Erfahrungen und Wege haben Sie zur Kirche geführt? Es ist vielmehr eine Entwicklung, die sich über verschiedene Stationen hinweg gestaltet hat. Meine Verbindung zur katholischen Kirche wurzelt in positiven Erfahrungen aus der Schulzeit: Ich habe den Religionsunterricht immer sehr geschätzt. Dass ich aus der Diaspora stamme hat dazu geführt, dass ich Kontakt sowohl mit der evangelischen als auch mit der katholischen Kirche vor Ort hatte. An beiden Orten wurde ich ernst genommen. Diese frühen, wertschätzenden Begegnungen haben den Grundstein gelegt, dass ich der Kirche grundsätzlich offen gegenüberstehe – was sich dann auch auf meinen späteren Bildungsweg übertragen hat.
Mein beruflicher Werdegang war geprägt von einem Studium, das eine sogenannte Dreifachkombi umfasste: Latein, Theologie und Spanisch auf Lehramt. Über Umwege im sozialen Bereich, unter anderem durch Praktika, habe ich erkannt, dass mir die Arbeit im sozialen Umfeld besonders liegt. Meine ehrenamtliche Tätigkeit als Bewährungshelferin führte mich schließlich in die Gefängnisseelsorge nach Freiburg im Breisgau, wo ich durch meine Diplomarbeit im Bereich Sicherungsverwahrung mit der Thematik der Seelsorge in Kontakt kam. Dabei wurde mir klar, dass genau diese Arbeit mir große Freude bereitet und mich erfüllt. Der Wechsel in den Diplomstudiengang Theologie im 10. Semester eröffnete mir neue Perspektiven.
Der Weg zur pastoralen Ausbildung war dann eine logische Konsequenz, auch wenn er nicht von einer bewussten Entscheidung getragen war, sondern sich Schritt für Schritt ergab. Später dann absolvierte ich ein Masterstudium in Arbeits- und Organisationspsychologie sowie eine Weiterbildung zur Supervisorin, Coachin und Organisationsberaterin, da mich die psychologischen Aspekte weiterhin sehr beschäftigten. Mit der Kombination fühle ich mich heute beruflich ziemlich zufrieden.
Was motiviert Sie, in einer Kirchenorganisation zu arbeiten und welche Bedeutung hat die Gemeinschaft für Sie? Das Menschenbild der Kirche, das jedem Menschen einen unveränderlichen Wert zuschreibt, ist für mich die zentrale Motivation. Ich schätze die humanistische Grundhaltung, die sich in der Kirche widerspiegelt – unabhängig von Geschlecht, Alter oder sexueller Orientierung. Für mich bedeutet das, mich für Werte einzusetzen, die über das Eigene hinausgehen. Es geht darum, die Gemeinschaft aktiv zu gestalten, im Blick auf alle Menschen. Eine Kirche, die Gemeinschaft lebt, fragt nicht „Wer gehört schon dazu?“, sondern auch „Wer fehlt? Wer wird übersehen?“ Die Verbindung zwischen Arbeit und einer so verstandenen Gemeinschaft ist für mich eine Möglichkeit, diese Werte im Alltag lebendig werden zu lassen.
Welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrer neuen Position, und wie möchten Sie diese angehen? Der Wechsel von meiner jetzigen Stelle als Pastoralreferentin zur Referentin mit Personalverantwortung ist eine große Herausforderung. Ich werde mich mit neuen Erwartungen und Konflikten auseinandersetzen müssen, deren Dynamik ich noch nicht kenne. Mein Ansatz ist offene und transparente Kommunikation, gepaart mit Geduld und Fehlerfreundlichkeit. Es ist mir wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Fehler als Lerngelegenheiten gesehen werden, um gemeinsam die Richtung zu bestimmen.
Was sind Ihre ersten Ziele in der neuenPosition? In den ersten Monaten ist es mir wichtig, gemeinsam mit dem Leitungsteam den Zusammenhalt zu stärken und klare Verantwortlichkeiten zu definieren. Es ist essenziell, gemeinsam eine Zielrichtung zu entwickeln, die auf den Werten der neuen Pfarrei St. Sebastian Mannheim basiert. Ein Fokus liegt zudem auf der Klärung der Aufgabenverteilung, sodass jede Person ihre Stärken einbringen kann. Das gemeinsame Leitbild soll Orientierung für die Zukunft geben.
Welche Vision haben Sie für die Pfarrei St. Sebastian Mannheim? Ich sehe meine neue Position nicht als Trägerin einer individuellen Vision, sondern als Teil eines gemeinsamen Entwicklungsprozesses. Für mich ist die Kirche kein Gebäude, sondern eine Haltung, die Vielfalt, Gleichberechtigung und Authentizität fördert. Meine Utopie ist eine offene Gemeinschaft, in der jede und jeder ohne Maskerade und Leistungsdruck sein kann, in der Zweifel erlaubt sind und der Austausch auf Augenhöhe stattfindet. Ein Ort, an dem wir uns gegenseitig in unserer Menschlichkeit begegnen – im Geist einer zeitgemäßen, lebendigen Kirche.
Was können Gemeindemitglieder von Ihnen in der neuen Pfarreierwarten und was möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben? Ich möchte den Begriff „Gemeindemitglieder“ gerne erweitern auf „Menschen“, weil ich glaube, dass ich nicht nur mit Mitgliedern der Gemeinde in Kontakt trete, sondern mit Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Hintergründe. Was die Arbeit mit Menschen betrifft, so möchte ich damit verbinden, dass ich nicht resigniere, sondern dranbleibe. Wenn ich etwas nicht sofort weiß, suche ich so lange nach Lösungen, bis wir gemeinsam einen Weg finden. Mir ist wichtig, offen für Entwicklung zu sein – sowohl bei mir selbst als auch bei den Menschen, mit denen ich arbeite. Daraus ergibt sich auch, was die Menschen von mir erwarten können: eine Haltung, die von Vertrauen, Engagement und der Überzeugung geprägt ist, dass Veränderung möglich ist – immer im Blick auf das Potenzial und die Würde jedes Einzelnen.
Wie verbinden Sie Ihre Arbeit mit Ihrer persönlichen Motivation und Ihrem Glauben? Mein Glaube ist die Grundlage meiner Motivation. Die Werte, die ich vertrete – unter anderem Respekt, Vielfalt, Entwicklung – sind tief in meiner Glaubenshaltung verwurzelt. Es ist schön zu wissen, dass ich in meinem Beruf eine Plattform habe, um mich aktiv für Gleichberechtigung und eine lebendige, offene Gemeinschaft einzusetzen. Die Vielfalt und Buntheit, die das Leben ausmachen, bringe ich gerne in meine Arbeit ein, weil ich fest daran glaube, dass wir nur gemeinsam eine bessere Welt gestalten können.
Was sind Ihre Hobbys? Ich begeistere mich für Sportarten, die Kraft und Körperbeherrschung erfordern, wie Powerlifting, Ballett und Joggen. Den Sport empfinde ich als eine persönliche Herausforderung, bei der es für mich vor allem um das Erreichen eigener Grenzen geht, weniger um Wettkampf oder Zeit. Ein weiteres großes Hobby ist gesunde Ernährung. Ich beschäftige mich viel mit Kochen und neuen Rezepten, experimentiere gerne, zum Beispiel mit veganer Küche oder Zuckeralternativen, wobei ich stets den Mittelweg zwischen Genuss und Achtsamkeit wahre. Lesen ist für mich eine wichtige Quelle der Entspannung. Ob Fantasy oder Krimis – darin finde ich Ruhe und innere Balance. Handarbeit und Hörbücher ergänzen mein Hobby-Repertoire, indem sie mir ermöglichen, gleichzeitig kreativ und entspannt zu bleiben.
Frau Scheffzek, ich danke Ihnen für das Interview. (Daniel Siegel)