Kirchen beim Neujahrsempfang
13.01.2026 |
Zeitgemäße Seelsorge wurde unter anderem am Beispiel der Ökumenischen Telefonseelsorge Rhein-Neckar deutlich. Sie feiert dieses Jahr 65-jähriges Beste
Echte Begegnung - genau das haben die Evangelische und die Katholische Kirche Mannheim an ihrem gemeinsamen Stand beim Neujahrsempfang der Stadt am Driekönigstag sichtbar gemacht: offen, ökumenisch, nahbar.
Im Mittelpunkt: die Ökumenische TelefonSeelsorge Rhein-Neckar. Seit 65 Jahren sind hier Ehrenamtliche rund um die Uhr da, wenn das Leben laut und unendlich schwer ist und die Seele kaum noch zu Wort kommt. Am Neujahrsempfang wurde spürbar, was sonst im Verborgenen passiert: Zuhören ohne Urteil, Dasein ohne Druck, Hoffnung teilen, auch wenn sie manchmal nur ganz leise klopft.
Die Ehrenamtlichen kamen dabei mit vielen Gästen ins Gespräch. Manche blieben nur kurz stehen, andere länger. Es ging um Fragen, um Neugier, um Dankbarkeit – und immer wieder um dieses Staunen darüber, dass Seelsorge auch am Telefon, im Chat und per E-Mail da ist – niedrigschwellig, anonym und dennoch kraftvoll.
Ein echter Besucherliebling – vor allem für die Jüngsten – war das simple Mitmachangebot: Telefone aus Pappbechern und Schnur. Große Augen, ungläubiges Lachen, dann dieser Moment: „Wow, das funktioniert ja wirklich!“ Während Kinder begeistert ausprobierten, was Verbindung bedeutet, erkannten viele Erwachsene in diesem selbst gebastelten Spielzeug plötzlich mehr. Die sichtbare Schnur zwischen zwei Bechern wurde zum Bild für das, was Gespräche zwischen Menschen schaffen: Verbindung, Halt und Nähe.
Emotional wurde es auch an der Emoji-Fotowand. Hier durften Gefühle raus – laut, bunt und ungefiltert. Bürgermeister Christian Specht winkte gemeinsam mit dem Leitungsteam der ökumenischen TelefonSeelsorge, Annemarie Cetsch-Lawrence und Diana Beetz, in die Kamera. Der leitende Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Mannheim, Lukas Glocker, und der evangelische Dekan Ralph Hartmann zeigten offen ihre Dankbarkeit für das gelebte ökumenische Miteinander. Und überall dazwischen: Gäste, die Herzhände formten, Party-Emojis hochhielten oder virtuelle Küsschen per Foto an ihre Liebsten verschickten. Also Emotionen, die gut tun und stärken.
Das stand ganz bewusst in einem stillen Kontrast zu dem, was viele Ehrenamtliche der Telefonseelsorge sonst erleben, wenn sie im Dienst sind: Einsamkeit, Verzweiflung, Angst, Wut, Gespräche, die schwer sind – und gerade deshalb so wichtig. Umso deutlicher beim Empfang, wie wertvoll Räume sind, in denen alles Platz hat: Freude und Traurigkeit, Leichtigkeit und Tiefe. (schu)




